Da Silva Surfcamp – mein Surfreisebericht

Zwar war mein letzter Surftrip erst vor zwei Monaten, aber da mein Freund zur Zeit in einem Surfcamp in Portugal arbeitet und ich als landlocked Surferin immer Bock auf Wellen habe, habe ich mir kurzerhand frei genommen und einen Flug in dieses wellenreiche Land gebucht.

Anreise

Ich bin umweltbedingt eigentlich kein Fan vom Fliegen, aber bei nur 18 Tagen (14.5.-31.5.) vor Ort wollte ich mir die lange Reise mit dem Zug/Bus ersparen und habe mich für den unverschämt günstigen Flug von Berlin-Schönefeld nach Lissabon entschieden.

Nach 3h mit dickem Pullover und Mütze im Flieger, begrüßte mich die erbarmungslose Nachmittagshitze in Lissabon. Also schnell ab in den Shuttle zum Busbahnhof Sete Rios, da erstmal ein kaltes Getränk und im Schatten auf die nächste Verbindung warten.

Mit dem Bus ging es dann nochmal 1,5h in den Norden nach Areia Branca, wo schon Mareike (eine Mitarbeiterin des Camps) an der Bushaltestelle des kleinen Städtchens auf mich wartete und wir fuhren mit einem der Camp VW Busse die letzten 10min hoch zu meinem Endziel des Tages, dem Da Silva Surfcamp.

Da Silva Surfcamp

Ein Bett, eine Toilette mit Dusche und ein Küchenbereich, damit man sich nach dem Surfen eine warme Mahlzeit zubereiten kann. Mehr hatte ich nicht erwartet.

Bekommen habe ich stattdessen einen kleinen Wohnwagen, den ich natürlich mit meinem Freund geteilt habe, mit grandioser Aussicht über die wilden Wiesen, Felder und Dörfer bis hin zum Meer und ein Camp mit so vielen liebevoll gestalteten Plätzen, netten Menschen und Freizeitangeboten, sodass man gar nicht weiß was man als erstes machen soll.

Ob Tischtennis, Kickern in der hauseigenen Bar, an heißen Tagen in den Pool hüpfen, mit dem Fahrrad oder Longboard die Gegend erkunden, sich mit dem Skateboard in die Camp-Miniramp wagen (habe ich mit viel Geduld meines Lehrers ein wenig gelernt) oder eines der Musikinstrumente schnappen und es sich mit ein bisschen Geklimper im Wohnzimmer gemütlich machen.

Auch wenn der Fall eintritt, dass die Wellen sich mal nicht blicken lassen, kann man einen Tagestrip zu den nahegelegenen Städten Òbidos, Sintra, Ericeira oder Lissabon unternehmen.

Langeweile war also schon mal ausgeschlossen!

Aber hergekommen bin ich unter anderem wegen der Wellen und an denen mangelt es hier nicht. Das Surfcamp liegt im kleinen Örtchen Areia Branca ca. 20min Fußmarsch vom nächsten Spot entfernt, doch die Auswahl ist groß. Wenn man ein Auto hat, findet man immer irgendwo in der Nähe einen Surfspot mit tollen Wellen, ob für Anfänger, Fortgeschrittene oder Pros.

Leute

Was ich besonders gern an Surfcamps mag, sind die Leute die man kennenlernt. Die meisten teilen die gleiche Leidenschaft (das Surfen natürlich), wodurch man wunderbar zum Austausch der unterschiedlichen Erfahrungen mit dieser Sportart kommt. Aber ob surfbegeistert oder nicht, man lernt immer interessante Menschen verschiedenster Altersklassen oder Herkünfte kennen!

So habe ich bei meinem Aufenthalt bei Da Silva zum Beispiel eine wunderbare Familie, bestehend aus Daniela und Katharina mit ihren zwei Söhnen (4J. & 1J.) und ihrer Boxerhündin Emi, kennengelernt, die ihren Alltag hinter sich gelassen haben und mit ihrem Bus für mehrere Monate durch Europa reisen.

Oder Leopold, der mit seinen jungen 19Jahren mit Hilfe seines Kumpels zwei Tinyhäuser für das Da Silva Surfcamp gebaut hat.

Und nicht zu vergessen Thomas, der gefühlt schon die halbe Welt gesehen hat, immer eine interessante Geschichte auf Lager hat und schon schwimmen und joggen war, während ich noch gemütlich meine erste Tasse Kaffee schlürfe.

Aber auch außerhalb des Camplebens bin ich auf immer freundliche Leute gestoßen. So waren wir zum Beispiel in einem kleinen Surfshop namens „Hangfive“ in der Nähe, wo wir eigentlich nur ein Board anschauen wollten, das dort zum Verkauf steht, doch recht schnell kamen wir mit dem sympathischen Shopbesitzer Luis ins Gespräch. Unser Schwätzchen ging von der heutigen Surfszene, den örtlichen Surfcamps, der Geschichte des Shops (der früher mal ein Tante-Emma-Laden war) bis hin zum Leben mit Kindern und schwupps war eine Stunde vergangen.

Ich merke auf Reisen einfach immer wieder, dass man mit Offenheit, einer urteilsfreien Haltung und ein wenig Zeit, die man sich immer nehmen kann, so viele tolle Gespräche haben kann.

Highlights

Mein absolutes Highlight war die erste Welle mit meinem ersten eigenen Board!

Da ich eh schon länger überlegt hatte in ein Surfboard zu investieren und die Mietkosten für ein Brett bei zwei Wochen auch nicht viel günstiger gewesen wären, habe ich im portugiesischen eBay („OLX“) nach einem Second Hand Board gesucht. Die Entscheidung fiel recht schnell auf ein 6’8er Funboard, welches wie sich herausstellte sogar noch nie das Meer berührt hatte.

Es hat sich erst ein wenig merkwürdig angefühlt auf einem Supermarkt Parkplatz mit einem Batzen Bargeld in der Hosentasche auf einen fremden Mann, in einem fremden Land zu warten, aber keine halbe Stunde später saß ich grinsend mit meinem ersten Board neben mir im Auto.

Als die erste Session mit „Barbra“ (auf diesen Namen wurde das Board nach einiger Zeit getauft, da es sich als kleine Diva entpuppte, wie Barbra Streisand es sein soll) näherrückte, hatte ich zunächst Bangen, dass ich nicht mal ordentlich ins LineUp paddeln (ich bin vorher nur Boards mit deutlich mehr Volumen gesurft), geschweige denn eine Welle nehmen könnte. Doch nach meinem ersten Wellenritt auf Barbra wusste ich, dass ich zwar noch ganz schön an Paddelmuskeln zulegen muss (Streichholzärmchen adé), ich aber sehr sehr viel Spaß mit ihr haben kann und meine Surfskills mit diesem Board wachsen werden!

Fails

Davon gab es ein Glück keine gravierenden!

Das erste Fauxpas war zwei Ding´s in meinem Board, da mir jemand in die Welle gedropped ist (ironischerweise mein Freund) und die Boards sich dummerweise nicht mehr aus dem Weg gehen wollten. Klar war ich erstmal betrübt (erstes Board, erstes Aua), aber wir haben es am gleichen Tag noch zum Shaper gebracht, der so cool war es bis zum nächsten Tag zu reparieren, damit ich keinen Surftag verpasse.

Also alles halb so schlimm!

Ein wirklicher Reinfall war, dass die vier Reifen des Camp Vans zerstochen wurden, was wahrscheinlich von ein paar lokalen Surfern durchgeführt wurde, da diese anscheinend die Wellen nicht teilen wollen.

Ich bin bei diesem Thema immer sehr zwiegespalten, denn einerseits kann ich mir vorstellen, dass man angepisst sein kann, wenn die Urlaubssurfer in Scharen kommen, sich die LineUps füllen und im besten Fall noch in die Wellen gedropped wird, doch so groß die Wut auch sein mag; nur weil ein Mensch hier lebt und surft, rechtfertigt das weder Ignoranz, noch Unfreundlichkeit, geschweige denn Gewalt.

Aber dieses ewig diskutierte Thema Localism will ich hier nicht auch noch durchkauen.

Solche Dinge passieren ja leider überall mal, doch man sollte sich davon nicht einschüchtern lassen. In diesem Fall wurde keine 20min später der andere Van organisiert, um die Leute zurück ins Camp zu bringen und schon am nächsten Tag war die Sache mit einem Kopfschütteln abgetan.

Ansonsten sind mir bei diesem Surftrip keinerlei weitere negative Erfahrungen mit den Locals passiert, denn solange man die Vorfahrtsregeln beachtet und die Leute grüßt, ist eigentlich alles schick und man kommt auch mal bei einer Pause zwischen den Sets ins Gespräch.

Abreise

Die Heimreise fällt mir, wie wahrscheinlich vielen Leuten, leider sehr schwer.

Ich lebe mich meistens schnell in neuen Umgebungen ein und male mir immer wieder aus, wie es wäre ganz aus Berlin wegzuziehen und sich ein neues Leben im Ausland aufzubauen, um aus der mir mittlerweile überdrüssigen Mutterstadt zu fliehen und den Wellen näher zu sein.

Aber noch bin ich jung und habe Zeit die Welt mit kleinen Reisen zu erkunden und vielleicht findet sich irgendwann ein Fleckchen, wer weiß.

Bis dahin zehre ich von meinen Surftrips wie dem nach Portugal im Da Silva Surfcamp. Der aht sich in jedem Fall gelohnt und wird bestimmt bald wiederholt. Schaut am besten selber mal vorbei.